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Natürliches Lernen ist selbstinitiiertes, selbstgesteuertes und bedürfniszentriertes Lernen, das in Begegnungen und Erfahrungen wurzelt und in direktem Bezug zum persönlichen Erleben steht.

Damit einher gehende Lernprozesse sind sehr individuell, sehr effektiv und nachhaltig und oftmals mit Begeisterung verbunden.
Ein eindrucksvolles Bild von dieser natürlichen Art zu lernen können wir uns machen, indem wir beobachten, wie unsere Kinder in ihren ersten Lebensjahren lernen.
Lernen ist ein menschliches Grundbedürfnis, das Kinder von Geburt an verfolgen.
Auf natürliche Art lernen sie in ihren ersten Lebensjahren eigenständig und mit Begeisterung Laufen, Sprechen und noch vieles mehr, ja sie fangen sogar einfach an mit Buchstaben und Zahlen umzugehen ohne dass man sie dazu erst überreden oder gar zwingen müsste.
Diese Freude und Eigenständigkeit beim Lernen kann zeitlebens erhalten bleiben.
Voraussetzungen dafür sind, dass das Lernen frei gewählt in einer gewaltfreien, anregenden, frei gewählten, unterstützenden Umgebung stattfinden kann, und dass es begleitet wird von erwachsenen Bezugspersonen mit einem grundlegenden Vertrauen in die natürliche Selbstverständlichkeit des Entwicklungsprozesses.
Dass die beschriebene Art des Lernens so und mit Erfolg und in jeder Alterstufe funktioniert, belegen sowohl die Erfahrungen mit Kindern, denen ein freies Lernen ermöglicht wird, als auch viele wissenschaftliche Forschungen.
Lernen, lebensfördernd (intrinsisch versus extrinsisch)
Das individuelle, natürliche und gehirngerechte Lernen jedes Menschen ist, altersunabhängig, angewiesen auf Selbstbestimmung und bedarf hierfür der Freiheit der Entscheidung. Die Forschungen der Neurobiologie haben ergeben, dass auf diese Weise der jüngste Teil des menschlichen Gehirnes, der Präfrontalkortex sich optimal entfalten kann. Seine Funktionen entscheiden über die Fähigkeiten des Menschen zu sozialem, kreativem und sachgerechten Verhalten.
Zur Definition von Selbstbestimmtem Lernen:
Selbstbestimmtes Lernen beschreibt die seit den neunziger Jahren wissenschaftlich bewiesene Tatsache, dass Menschen schon von vor ihrer Geburt an lernende Wesen sind. Diese angeborene Verhaltensweise lernen zu müssen ist biologisch bedingt und wird emotional ausgelöst.
Vorgeburtlich und noch deutlicher nach der Geburt richtet sich das Lernen wollen ganz besonders auf die Bedingungen aus, in die der jeweilige Mensch hineingeboren wird.
Sofern das Kind in einer Umgebung aufwachsen kann, in der es sich geborgen fühlt und sein Bedürfnis nach Freiwilligkeit respektiert wird, entwickelt es in besonderem Masse den jüngsten Teil des menschlichen Gehirnes, den Präfrontalkortex..
Nur in diesem Teil entwickelt sich die Fähigkeit zu vernetztem Denken. Diese Fähigkeit wiederum ist erforderlich, damit Menschen, über ihre biologischen Grundbedürfnisse hinaus, in dem Wohl des Ganzen auch ihr eigenes Wohl erkennen können. Dann erst sind sie auch zu entsprechendem Handeln fähig.
In Umfeldern, in denen diese Grundsicherheit für ein Kind nicht möglich ist, bzw. nicht zugelassen wird, bildet sich dieser Gehirnbereich schon vorgeburtlich gar nicht erst aus, bzw. bildet er sich nach der Geburt wieder zurück
Dies wird als eine pragmatische Reaktion der „Natur“ erklärt, die höhere Qualitäten, wie Friedfertigkeit, Kooperationsfäigkeit, Kreativität, sozial angemessenes Verhalten usw. erst zulässt, wenn die Grundlagen der Existenz eines Lebewesens gesichert sind. Das bedeutet in solch einem Fall, dass sich die Gehirnentwicklung auf die älteren Funktionen des Stammhirns reduziert (Agression – Flucht – Lähmung / Starre).
(Siehe dazu die Ausführungen bei Chilton Pearce, 2004
Das traditionelle restriktive Verständnis davon wie (junge) Menschen lernen müssten prägt, ungeachtet dieser gravierenden neuen Erkenntnisse, nach wie vor alle Bildungsbereiche: in den Familien, in der Kinderbetreuung und besonders hartnäckig die Schul- und Erwachsenenbildung.
Eine solche, vorwiegend extrinsische Form des Lernens, wo dem Lernenden von außen diktiert wird, was, wie, wo, wann und mit wem er etwas zu lernen habe, löst Stress aus und infolge dessen eine Angst, die sich in Aggression oder in Rückzug/Flucht äußert. Auf diese Weise Gelerntes kann sich nicht flexibel mit dem bereits vorhandenen Wissen verbinden. Es funktioniert nur auf gezielten Abruf und lässt sich nicht kreativ und konstruktiv in soziale Zusammenhänge einbringen.
Bildungsinhalte müssen den Menschen ansprechen und für jeden Menschen erreichbar sein. Es muss auf soziale Qualitäten ausgerichtet und in seinen Ergebnissen zukunftsfähig sein. Sich bilden zu können, d.h. auf intrinsische Weise – der von inner her geleiteten Form des Lernens – gehört zu den Grundrechten, wie zu den Menschenrechten. Lernen kann und darf auch von daher nicht erzwungen werden. Bildungsangebote sollen deshalb für alle Bürger, altersunabhängig und selbstbestimmt nutzbar sein. Sie sollen kostenfrei, ortsnah und jedermann zugänglich sein. Lernen auf diese optimale Weise dient zugleich dem Wissenserwerb und einer erfolgreichen Lebensbewältigung. Lernen ermöglicht so optimal Lebensvorbereitung und –begleitung, einem selbstverständlichen Bildungsinhalt.
2009, Anke Caspar-Jürgens


